Menschenhandel ist ein aktuelles Thema. Bisher fällt zu wenig Licht auf das, was im Dunklen stattfindet. Wir wollen das ändern.

Was ist Menschenhandel?

 

Menschenhandel ist ein weltweites Phänomen und begleitet uns seit vielen Jahrhunderten. Doch was genau verstehen wir unter dem Begriff überhaupt? Eine Sammlung verschiedener Definitionen hilft, einen Überblick zu vermitteln. 

Von Michelle Bohlmann.

Unter Menschenhandel versteht man, dass eine Person, die aufgrund ihrer Zwangslage, in eine Ausbeutungssitution gebracht wird. Eine Ausbeutung kann in unterschiedlichen Formen stattfinden, zum Beispiel in Form von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, sexueller Ausbeutung, Ausbeutung in der Ehe, Ausbeutung in der Betteltätigkeit, Ausbeutung durch strafbare Handlungen oder durch erzwungene Organentnahme.  

Die UN definiert, anhand von drei ineinandergreifenden Merkmalen bzw. Phasen, im „Menschenhandelsprotokoll (Palermo-Protokoll)“ die zugrundeliegenden Punkte für die Vorgehensweise von Menschenhandel. Demnach wird erst hinterfragt „Was ist die Handlung?“, darunter fallen die Punkte: Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen. Im nächsten Schritt wird das Vorgehen ermittelt. Hier fallen die Mittel Androhung oder Anwendung von Gewalt, sowie Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung und Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit drunter. Aber auch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen, um das Einverständnis einer Person zu erlangen, die Gewalt über eine andere Person hat. Zu guter Letzt wird der Zweck des Menschenhandels hinterfragt. Hierunter fallen die oben genannten Punkte wie Sexuelle Ausbeutung, erzwungene Organentnahme etc. 

Draus wird deutlich, dass Menschenhandel ein Prozess über einen längeren Zeitraum und keine Einzelhandlung zu einem gewissen Punkt ist. 

Zu einer der vermeidlich ältesten Berufe gehört die Prostitution. Man spricht von Prostitution, wenn jemand sexuelle Handlungen anbietet und dafür entgeltet, wird. Die sexuellen Handlungen müssen freiwillig angeboten und praktiziert werden. Wenn dies nicht der Fall ist, spricht man von Zwangsprostitution und somit von Ausbeutung und Menschenhandel, dies wurde auch im Strafgesetzbuch (StGB) §232 festgehalten. 

Im Jahre 2002 trat in Deutschland das Prostituiertengesetz in Kraft. Hiermit wurde beschlossen, dass Prostitution bei Erwachsenen nicht mehr illegal ist. Des Weiteren wurde 2017 das Prostituirtenschutzgesetz beschlossen. Demnach wird Prostitution als Gewerbe angesehen, daher unterstehen Prostituierte einer Anmeldepflicht. Im allgemeinen gilt für das Prostituiertengewerbe eine Erlaubnispflicht. Dadurch müssen zum Beispiel Bordelle etc. gewisse Auflagen erfüllen und werden somit stärker in die Verantwortung genommen.

Prostitution ist nur ein kleiner Teilbereich von dem Begirff Sexarbeit. Sexarbeit steht für alle Formen von erotischer und sexueller Arbeit. Hierbei ist es wichtig, dass diese Form der Arbeit im Einvernehmen von Sexarbeiter*innen und Kunden*innen geschieht. Die Sexarbeit findet immer im Tausch gegen finanzielle oder materielle Vergütung statt. Wenn dies nicht der Fall ist, handelt es sich nicht mehr um Sexarbeit, sondern um sexualisierte Gewalt. Der Begriff Sexarbeit ist ein weitgefasster Begriff in der Sexindustrie. Es zählen Arbeitsbereiche wie das Darstellen von Pornofilmen oder in Erotik Magazinen dazu. Jedoch fallen auch einige Tanzarten unter dem Begriff Sexarbeit, wie Striptease, Lapdance und Tantra-Massagen etc. Zudem zählt die Arbeit als Dom*inas, Escorts, Straßen- und Bordell-Prostitution, Telefonsex, Onlinesex etc. dazu. Es ist schwer zu definieren, wie weit der physische sexuelle Kontakt in den unterschiedlichen Bereichen geht. Daher kommt es darauf an, in welchem Bereich der Sexarbeit man tätig ist.